Jugendarbeit im Musikverein Scheuerfeld

Nach dem zweiten Weltkrieg

Wie die älteren Chroniken berichten, übernahm nach dem Ende des zweiten Weltkrieges Johann von Weschpfennig und später Karl Zacharias die Aufgabe, neue junge Musiker auszubilden, um die vom Krieg hinterlassenen Lücken in den Reihen der Musiker wieder schließen zu können.
Schützenfest 1969

Schützenfest 1969

Über das Konzert am 17.06.1954 (Fronleichnam) berichtete die Zeitung damals folgendes: „Im zweiten Teil führte Zacharias seine junge Garde vor. Es waren 19 Jugendliche im Alter von 11–16 Jahren, mit denen er die Festmusik von Richard Wagner und den Festmarsch ‚Tochter Zion‘ zu Gehör brachte. Der nicht endenwollende Beifall bewies, daß er sich bei der Jugend uneingeschränktes Vertrauen erworben hat.“

In den 1960er Jahren

Auch in den 1960er Jahren wurde die Jugendausbildung weiter betrieben, um neue Musiker für das Orchester zu gewinnen. Auf dem Programmzettel für das Konzert am 29. November 1964 (1. Advent) findet sich zum ersten Mal der Hinweis auf einen eigenständigen Programmteil „ausgeführt von der Jugendgruppe des Musikvereins.“ Die Zeitung berichtete hierüber: „Dann präsentierte sich zum ersten Male in diesem Rahmen die 19 Mitglieder umfassende Jugendgruppe des Musikvereins, die mit der Wagner’schen Festmusik, dem Priestermarsch und der Arie aus der Oper ‚Die Zauberflöte‘ von Mozart, dem Marsch Friedrichs des Großen und Lotterers Festmarsch mit ‚Tochter Zion‘ unter der Stabführung ihres Lehrmeisters Karl Zacharias allseitige Bewunderung hervorrief, zumal die Jüngsten mit 11 bis 13 Jahren noch die Schulbank drücken und der andere Teil kaum der Schule entwachsen ist. Was wunder, daß die kleinen Musikkünstler von Beifall überschüttet wurden!“

Ende der 1960er Jahre traten die Musiker der Jugendkapelle in Trachtenuniform auf, und marschierten so auch als eigenständige Formation zum Beispiel beim Schützenfest 1969 in Betzdorf mit.

Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre

In der zweiten Ausgabe der MVS-Post aus dem Jahre 1977 findet sich der folgende Aufruf: „Jeder Verein braucht Nachwuchs – auch wir. In der Presse wurde bereits vor einigen Wochen darauf aufmerksam gemacht, dass wir Nachwuchs für das Blasorchester suchen und darüber hinaus geplant haben, ein Trommler-Corps oder einen Spielmannszug aufzustellen. Interessenten können sich bei den Vorstandsmitgliedern melden. Zur Information möchten wir zur Kenntnis geben, daß die Schulung von Trommlern in Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule vorgenommen wird. Darüberhinaus kommt uns zugute, daß Herr Paul Blecker aus Scheuerfeld als Schlagzeuglehrer die Ausbildung vornimmt.“
Gut ein Jahr später, in der Weihnachtsausgabe der MVS-Post (4/1978), dankte der Musikverein den „Musikkameraden Norbert Hasberg, Berthold Leonhardt und Paul Blecker für die Ausbildung von Musikernachwuchs“ und kommentierte: „Ein sicherlich nicht leichtes Amt.“
Öffentliche Auftritte der Vereinsjugend sind im Jahresrückblick der MVS-Post nicht genannt, allerdings findet sich in der gleichen Ausgabe zumindest ein Hinweis auf einen vereinsinternen Auftritt: „Sie werden sicherlich noch in Erinnerung haben, daß wieder etliche Nachwuchsmusikanten erstmals anläßlich der Nikolausfeier für Sie aufspielten. Die Ausbildung von Nachwuchs wird bei uns sehr ernst genommen.“
Im folgenden Herbst (MVS-Post 3/1979) wurde weiter für die Jugendausbildung geworben und dabei wohl erstmals ein externer Ausbilder für die Musiker erwähnt: „Wir müssen und wollen uns wieder verstärkt der Jugendausbildung zuwenden. Erste Schritte wurden bereits unternommen. Zur weiteren musikalischen Fortbildung der bisher von unserem aktiven Mitglied Berthold Leonhardt ausgebildeten Jugendlichen steht uns seit Mitte September 1979 Herr Werkhausen aus Altenkirchen zur Verfügung. Herr Werkhausen studiert in Würzburg Trompete. Erwähnenswert erscheint uns der Hinweis, daß auch ältere Musiker von dieser Fortbildungsmaßnahme Gebrauch machen, um somit ihren Leistungsstand zu verbessern.“

Das Jugendorchester am 08.01.1983

Das Jugendorchester am 08.01.1983

In der Weihnachtsausgabe (4/1979) findet sich wieder ein Hinweis auf die Ausbildung von Schülern, als weiterer vereinsinterner Ausbilder ist nun zusätzlich Peter Treusch genannt. Zur Nikolausfeier vermerkt die MVS-Post: „Im Rahmen dieses Programms haben 4 Nachwuchsmusikerinnen und –musiker ihr Können unter Beweis gestellt.“ Auch in den folgenden Jahren wirbt der Verein immer wieder in der MVS-Post um Nachwuchsmusiker. In der Weihnachtsausgabe der MVS-Post des Jahres 1981 berichtet der Vorstand über erste Erfolge der Ausbildung und formuliert ein klares Ziel: „Wir haben uns auch in diesem Jahr wieder verstärkt der Jugendarbeit zugewandt. 12 Musikinteressierte haben bereits mit einer Ausbildung zur Erlernung eines Instrumentes begonnen. Die Nachwuchsförderung wollen wir weiter ausbauen, mit dem Ziel, in absehbarer Zeit wieder ein spielfähiges Jugendblasorchester vorstellen zu können. Um diese Pläne zu verwirklichen, suchen wir Interessenten ab 10 Jahre für alle Instrumentengruppen. Zur Ausbildung […] stellen wir neue und neuwertige Instrumente zur Verfügung.“
Im folgenden Sommer (MVS-Post 2/1982) schrieb der Vorstand, dass seine „Bemühungen, junge Menschen für die Blasmusik zu begeistern, […] im letzten Jahr nicht ohne Erfolg geblieben“ sind, und zählte die 14 jungen Musiker namentlich auf. „Wir hoffen, daß diese Jungen und Mädels sich auch weiterhin für die Blasmusik interessieren, die Ausbildung erfolgreich beenden und zum gegebenen Zeitpunkt in unser Blasorchester aufgenommen werden können.“ Auch das das zweite Ziel, ein Jugendblasorchester zu gründen, wird weiterhin verfolgt.
Die MVS-Post 1/1983 zeigte dann schließlich ein Bild vom ersten Auftritt der mittlerweile aus 16 Jugendlichen bestehenden neuen Jugendkapelle unter der Leitung von Norbert Hasberg anläßlich der Familienfeier am 8. Januar 1983.
Auch im folgenden Jahr 1984 sind einige Veranstaltungen und eigenständige Auftritte des Jugendorchesters belegt, wie z.B. Unterhaltungsmusik am 1. Mai in Bruche, die Mitwirkung beim Pfarrfest in Scheuerfeld, eine Jugendfreizeit auf Concordia (Dermbach) sowie die Weihnachtsfeier des SC Scheuerfeld.

Vor dem 100jährigen Jubiläum

Für die Mitte der 1980er Jahre finden sich keine Belege mehr für Auftritte des Jugendorchesters. Vermutlich war ein Teil der jungen Musiker nach einiger Zeit in das große Orchester aufgenommen worden, andere hatten ihre musikalische Laufbahn beendet, so dass schließlich wohl kein eigenständiges Jugendorchester mehr bestand.
Um diesen Zustand wieder zu ändern, wandte sich der Vorstand des Vereins in der Ausgabe 1/1987 der MVS-Post an die Leser: „Zum Jubiläumsfest an Pfingsten 1990 – rechtzeitig vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft – möchte der Musikverein Scheuerfeld gerne wieder eine Schüler- bzw. Jugendkapelle vorstellen. Wir wenden uns daher an alle musikinteressierten Schüler und Jugendliche ab 10 Jahre, die bereit sind, ein Blasinstrument zu erlernen. Anläßlich des Schulfestes der Grundschule am 14. Juni 1987 möchten wir […] die Gelegenheit nutzen, alle Interessierten zu informieren und die einzelnen Instrumente vorzustellen. […] An diesem Tage ist die Möglichkeit gegeben, die einzelnen Instrumente auch auszuprobieren.“
Gut ein Jahr später berichtete die MVS-Post 3/1988 von einem Tagesausflug der in Ausbildung befindlichen Kinder zum Panoramapark in Oberhundem. „Diese Fahrt sollte ein kleines ‚Dankeschön’ sein an die Teilnehmer für ihr Durchhaltevermögen in der musikalischen Ausbildung. Aber nicht alle zunächst interessierten Kinder oder Jugendlichen schaffen ihr geplantes Ziel und geben zwischendurch auf. Der Vorstand ist stolz darauf, daß dennoch 20 Mädchen und Jungen fleißig zum Musikunterricht kommen und weiterhin sehr interessiert sind.“ Bereits auf der Nikolausfeier 1988 empfingen die Nachwuchsmusiker den Nikolaus mit weihnachtlichen Klängen.
Nachdem die Ausbildung bis zu diesem Zeitpunkt in kleinen Gruppen oder im Einzelunterricht erfolgte, berichtete die MVS-Post ein weiteres Jahr später in der Ausgabe 3/1989 über den nächsten Schritt hin zu einem eigenständigen Jugendorchester: „Nach den Sommerferien fand die erste gemeinsame Probe der Schüler unter der Leitung von Georg Braß statt. Der Vorstand ist froh, mit Georg Braß einen verantwortlichen Musiker gefunden zu haben, der diese geplanten monatlichen Schülerproben leiten wird.“

Das Jugendorchester im Jubiläumsjahr 1990

Das Jugendorchester im Jubiläumsjahr 1990

Schon in der Weihnachtsausgabe (4/1989) der MVS-Post informierte der Vorstand: „Der Musikverein ist stolz darauf, daß inzwischen 26 Kinder bzw. Jugendliche soweit fortgeschritten sind, daß sie bereits zweimal ihr Erlerntes unter der Leitung von Georg Braß in der Öffentlichkeit vorstellen konnten.“ Der Terminrückblick nannte die Nikolausfeiern der Spielgemeinschaft Scheuerfeld-Wallmenroth und des MVS als Anlässe für diese beiden Auftritte. Trotz dieser ersten Erfolge schrieb der Vorstand: „Der Musikverein sucht aber weiterhin musikbegeisterte Kinder und Jugendliche, die bereit sind, den Musikverein Scheuerfeld in das zweite Jahrhundert zu begleiten.“

Die 1990er Jahre

Die Rheinzeitung vom 11.01.1990 berichtete unter der Überschrift „Musiker stimmten sich auf das Jubiläum ein“ folgendes: „Zur traditionellen Familienfeier des Musikvereins in der bis auf den letzten Platz besetzten Schulturnhalle setzte das Schülerorchester des MVS unter der Leitung von Georg Brass musikalische Akzente. […] Zum Jubiläumskonzert des MVS am 31. März, mit dem das 100jährige Vereinsbestehen in diesem Jahr begonnen werden soll, wird sich das Schülerorchester erstmals mit eigenem Programm wieder dem Publikum vorstellen.“
Seit dem Jubiläumsjahr 1990 sind die Auftritte des Jugendorchesters nun wieder ein fester Bestandteil der jährlichen Frühjahrskonzerte, so dass die jungen Musiker sich regelmäßig über die Ortsgrenzen hinaus einem größeren Publikum vorstellen können.
Die Blockflötengruppe im Jahr 2002

Die Blockflötengruppe im Jahr 2002

Nach den Sommerferien 1998 gab es mit den Kursen der „Musikalischen Früherziehung“ eine weitere Neuerung in der Jugendausbildung des Musikvereins. Begannen bis zu diesem Zeitpunkt die meisten Jugendlichen im Alter von ungefähr zehn Jahren ohne Vorkenntnisse direkt mit der Ausbildung auf einem Orchesterinstrument, wollte der Musikverein nun auch schon jüngeren Kindern einen Einstieg ins Musizieren ermöglichen. Im Herbst 2002 berichtet die MVS-Post unter der Überschrift „Erfolgreicher Start der Musikalischen Früherziehung“: „Bereits vor vier Jahren hat der Musikverein seine Ausbildung um eine musikalische Früherziehung erweitert. Seitdem ist die Zahl der Kinder, die dieses Angebot nutzen, jährlich gestiegen. […] Ursprünglich wollten wir mit unserer Früherziehung Kinder im 2. und 3. Schuljahr ansprechen. In den letzten Jahren zeigte sich aber, dass die die Teilnehmer immer jünger wurden […], was jedoch nicht unbedingt ein Hindernis für den Erfolg der Ausbildung darstellt. Im Laufe des Kurses werden die Teilnehmer alle Grundlagen lernen, auf denen nach circa zwei Jahren die Ausbildung auf einem Orchesterinstrument aufbaut. Die Vorteile einer solchen musikalischen Früherziehung machen sich besonders zu Beginn der Instrumentalausbildung bemerkbar, da der Ausbilder sich voll auf die Spieltechnik des Instruments konzentrieren kann, während grundlegende Begriffe wie Notennnamen, Notenwerte und Pausen, aber auch das Zusammenspiel mit anderen Musikern bereits bekannt sind.“
Erster Ausbilder für die musikalische Früherziehung war bis zu seinem Tode Hans-Jürgen Meier. Seit Anfang Januar 2009 werden die Blockflötenkurse nun von Katharina Keil (geb. Zöller) geleitet. Mit dem neuen Kurs im Herbst 2014 wird das Angebot der Früherziehung noch einmal erweitert: neben der Blockflöte sollen nun auch Rhythmus- und Orff-Instrumente zum Einsatz kommen.

Das neue Jahrtausend

Um die Jahrtausendwende hatte sich das musikalische Niveau des Jugendorchesters so gesteigert, dass es für die einzelnen jungen Musiker immer länger dauerte, bis sie im Einzelunterricht genügend Kenntnisse erworben hatten, um dort mitwirken zu können.
Das Vororchester im Dezember 2003

Das Vororchester im Dezember 2003

Um diese Zeit des puren Einzelübens zu verkürzen, rief der Musikverein im Jahre 2000 als weiteren Baustein der musikalischen Ausbildung das sogenannte „Vororchester“ ins Leben. Hier können die Schüler schon relativ kurz nach Ausbildungsbeginn mit ihrem Instrument in einer kleinen Gruppe musizieren und erste Erfahrungen im Zusammenspiel mit anderen Musikern unter der Leitung eines Dirigenten sammeln.
Mit dieser Gliederung der musikalischen Ausbildung in Früherziehung, Instrumentalunterricht, Vororchester (Ende 2014 circa 25 Musiker), Jugendorchester (circa 35 Musiker) und schließlich Großes Orchester können musikinteressierte Kinder und Jugendliche nun vom Grundschulalter an im Musikverein ausgebildet und schrittweise entsprechend ihren Fähigkeiten gefördert werden. Diese Reihenfolge ist jedoch immer nur ein Angebot, aber keine Verpflichtung – ein Quereinstieg ist bei entsprechenden Vorkenntnissen zu jeder Zeit möglich.
Seit dem Jahre 2002 präsentiert die Vereinsjugend regelmäßig im Herbst auf einem sogenannten „Jugendkonzert“ in der Schulturnhalle in Scheuerfeld ihre Leistungen den Familien und anderen Musikinteressierten. Neben den Auftritten der Früherziehungsgruppen, des Vororchesters und des Jugendorchesters haben die Schüler hier auch die Möglichkeit, alleine, mit ihren Ausbildern oder in kleinen Ensembles ihr Können unter Beweis zu stellen.